Die Beschwerden beginnen oft ganz harmlos: Die Hände sind gelegentlich gerötet, die Haut ist spröde und juckt. In schweren Fällen aber kann ein beruflich bedingtes Handekzem zu anhaltender Arbeitsunfähigkeit führen. Da ist das richtige therapeutische Management gefragt, um die Hauterkrankung in den Griff zu bekommen und einen Jobwechsel zu umgehen.

Sei es im Friseursalon, auf der Baustelle oder in der Kfz-Werkstatt, auf der Pflegestation oder an der Frischetheke: Der Job kann Haut und Hände erheblich strapazieren. Wird die Haut tagtäglich durch Wasser, Chemikalien oder hautreizende Werkstoffe belastet, kann sich ein Abnutzungsekzem entwickeln. Ein Handekzem kann auch allergisch bedingt sein, beispielsweise bei Mitarbeitern aus dem Gesundheitssektor durch Latexhandschuhe. Menschen mit empfindlicher Haut (Atopiker) sind besonders gefährdet, ein Handekzem zu entwickeln. Die Beschwerden können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, erklärt Dr. Arno Köllner, Hautarzt in Duisburg. In leichten Fällen ist die Haut trocken und gelegentlich gerötet. Ein Handekzem kann jedoch auch chronisch werden. Heftige Entzündungen, schmerzhafte Risse und Rhagaden können jeden Handgriff zur Qual machen. „Schwere beruflich bedingte Handekzeme können sogar zu Berufsunfähigkeit führen“, so Köllner weiter.

Ein konsequenter Hautschutz kann einem Handekzem in vielen Fällen vorbeugen, betont Köllner. Arbeitsabläufe sollten „hautfreundlich“ gestaltet und der direkte Kontakt mit hautschädigenden oder allergieauslösenden Substanzen soweit wie möglich reduziert werden. Häufig ist das Tragen von Schutzhandschuhen sinnvoll. Unerlässlich sei eine regelmäßige Pflege mit geeigneten Hautschutzpräparaten, die möglichst frei von Duftstoffen sein sollten, erklärt Köllner.

Bei den ersten Anzeichen eines Handekzems sollten zusätzlich zu diesen Basismaßnahmen frühzeitig therapeutische Schritte eingeleitet werden, um einer Chronifizierung vorzubeugen. Ziel sei es stets, dass die Betroffenen in ihrem Beruf verbleiben können, betont Köllner.

Die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) für das Management von Handekzemen, an deren Entwicklung Köllner beteiligt war, empfiehlt eine Stufentherapie, die sich am Schweregrad der Erkrankung orientiert:

Die 1. Stufe der Behandlung umfasst juckreizstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe, die äußerlich verabreicht werden. Vorrangig werden kurzzeitig Glukokortikosteroide eingesetzt. Die bekannten Nebenwirkungen wie ein Dünnerwerden der Haut (Atrophie) seien nur bei zu langer und/oder unsachgemäßer Anwendung als „Pflegemittel“ zu befürchten, erklärt Köllner. Um Kortison einzusparen, sind Tacrolimus-Salbe oder Pimecrolimus-Creme eine Alternative.

Eine Iontophorese, bei der die Hände mit schwachem Gleichstrom behandelt werden, hat sich ebenfalls bewährt. Eine bakterielle Superinfektion wird mit einem – meist örtlich aufgetragenen – Antibiotikum behandelt. Auch Gerbstoff- oder Teer-haltige Präparate werden nach wie vor eingesetzt.

Leichte Ekzemformen lassen sich mit diesem Spektrum an Maßnahmen gut in den Griff bekommen, berichtet Köllner. Langwieriger und schwieriger sei die Therapie von mittelschweren bis schweren chronischen Handekzemen. Ein Handekzem gilt als chronisch, wenn es länger als drei Monate nicht abheilt oder innerhalb von einem Jahr mindestens zweimal wieder auftritt.

In Stufe 2 und 3 ist eine UV-Bestrahlung einer der Therapiebausteine. Sind äußerliche Kortisone nicht ausreichend wirksam, sollen Präparate zum Einnehmen verordnet werden. Eine spezifisch für das Handekzem entwickelte und zugelassene, wissenschaftlich gut untersuchte Option ist die Behandlung mit dem Wirkstoff Alitretinoin, ein Abkömmling der Vitamin-A-Säure. Selbst bei schwersten Erkrankungen gelingt es mit modernen Therapiekonzepten, dass 80 Prozent der Betroffenen an ihrem Arbeitsplatz verbleiben können.

Auch nach Abheilung des akuten Ekzems müssen zur Vorbeugung eines Rückfalls Hautpflege und -schutz konsequent eingehalten werden. Mögliche Triggerfaktoren sind weiterhin zu meiden. Für Kontaktallergien steht leider keine Hyposensibilisierung – wie beispielsweise beim Heuschnupfen – zur Verfügung, erklärt Köllner. Kann sich der Betroffene bei seiner beruflichen Tätigkeit nicht ausreichend vor den allergieauslösenden Substanzen schützen, bleibe daher manchmal nur der Ausweg einer Umschulung.

Quelle: BVDD

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