Weißfleckenkrankheit (Vitiligo): Wenn die Haut ihre Farbe verliert

Die gute Nachricht zuerst: Vitiligo – auch die „Weißfleckenkrankheit“ genannt – ist nicht gefährlich, nicht schmerzhaft und auch nicht ansteckend. Trotzdem belastet die chronische Hautkrankheit Betroffene oft psychisch. Denn ihre Symptome sind nur schwer zu verbergen: Es bilden sich große, helle Flecken auf der Haut. Mit ihren scharfen Kanten bilden diese einen deutlichen Kontrast zur umliegenden Haut. Besonders oft finden sich die weißen Stellen um Gelenke herum, also an Ellenbogen, Knien und Fingern. Auch das Gesicht und insbesondere die Augenregion sind häufig betroffen.

Bildnachweis: Hautarztzentrum Kiel

Vitiligo tritt meist in der Jugend erstmals auf, die Symptome nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Die Ursache dafür, dass die Haut ihre Farbe verliert, ist, dass an den betroffenen Stellen Pigmentzellen – die sogenannten Melanozyten – absterben. Die Haut kann daraufhin an diesen Stellen den braunen Farbstoff Melanin nicht mehr produzieren. Daher wird die Erkrankung nach Sonnenkontakt auch umso sichtbarer: Die umgebende Haut wird dann braun, die betroffenen Stellen nicht.

Die Weißfleckenkrankheit ist nicht heilbar. Mit verschiedenen Behandlungsmethoden können Hautärzte aber den Krankheitsverlauf bremsen und kosmetische Effekte erzielen, die den Betroffenen wieder zu mehr Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit verhelfen.

Nach Informationen des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) betrifft die Vitiligo weltweit etwa 0,5 bis zwei Prozent der Menschen – wie es die Obduktion ergeben hat, war darunter auch der King of Pop, Michael Jackson.

Ursachen für Vitiligo

Weshalb die Haut bei der Weißfleckenkrankheit in einem schleichenden Prozess Pigmentzellen abbaut, konnte die Forschung noch nicht vollständig klären. Sicher ist aber, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Denn bei ungefähr jedem dritten Betroffenen treten in der Familie weitere Fälle auf.

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Autoimmunreaktion die farbstoffbildenden Zellen zerstört. Das bedeutet, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet: Die körpereigene Abwehr hält möglicherweise Eiweißstoffe, die auf der Oberfläche der Pigmentzellen sitzen, für gefährlich und bildet Antikörper gegen sie. Diese greifen die Pigmentzellen an. Es findet eine kleine Entzündungsreaktion statt – diese zerstört die Zellen, die den Farbstoff Melanin produzieren, woraufhin die Haut ihre Farbe verliert.

Weitere Faktoren können dabei das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Hierzu zählt Stress, ebenso schwere Sonnenbrände und Hautverletzungen. Auch scheint es relevant zu sein, wie sehr die betroffenen Hautstellen durch Druck oder Reibung beansprucht werden, was erklärt, weshalb sich die Flecken besonders oft rund um Gelenke finden.

Symptome

Je nachdem, wo die weißen Flächen entstehen und wie sie sich entwickeln, unterscheiden Hautärzte zwei Formen der Weißfleckenkrankheit:

Symmetrisch und überall: Generalisierte Form
Am häufigsten ist die generalisierte Form. Dabei bilden sich die Flecken an mehreren Körperstellen zugleich, meist symmetrisch an beiden Körperseiten. Der Prozess beginnt oft zum Beispiel an beiden Händen oder Ellenbogen. Über viele Jahre hinweg breiten sich die entfärbten Stellen weiter aus und können dabei auch ineinander übergehen. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel schubweise. Die Erkrankung schreitet meist zehn bis zwanzig Jahre voran, dann kommt sie zum Stillstand.

Nur eine Körperstelle: Lokalisierte Form
Daneben gibt es die lokalisierte Form, die auch als segmentale Variante der Weißfleckenkrankheit bezeichnet wird. Hierbei zeigen sich die hellen Flecken nur an einer Körperregion. Sie werden meist nur wenige Monate lang größer, dann bleibt das Hautbild stabil.

In beiden Fällen zeigen sich erste Anzeichen der Erkrankung bei etwa der Hälfte der Patienten vor dem 20. Lebensjahr.

Die Tatsache, dass die Haut ihre Pigmentzellen verliert, ist an sich harmlos – die Haut ist zwar hell, aber weiterhin gesund. Wer vermutet, von der Weißfleckenkrankheit betroffen zu sein, sollte dennoch einen Hautarzt aufsuchen: Denn oft tritt die Erkrankung gemeinsam mit einer anderen Autoimmunkrankheit auf, die eventuell einer Behandlung bedarf. Bei etwa jedem fünften Betroffenen liegt nach Informationen des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion vor.

Ärztliche Diagnose

Nicht jeder helle Fleck auf der Haut ist gleich Vitiligo. Um festzustellen, ob es sich tatsächlich um die Weißfleckenkrankheit handelt, führen Hautärzte zunächst eine Blickdiagnose durch. Mit ihrem geschulten Auge können sie ausschließen, dass die Depigmentierungen von anderen, leicht mit Vitiligo verwechselbaren, Hautkrankheiten herrühren, wie etwa der Kleieflechte oder Pityriasis alba. Erhärtet sich der Verdacht auf die Weißfleckenkrankheit, können Hautproben, die im Labor untersucht werden, Gewissheit geben.

Zudem fragen Dermatologen nach der gesundheitlichen Vorgeschichte und klären ab, ob eine weitere Autoimmunerkrankung vorliegt. Dazu dienen ein kleines Blutbild und ein Test der Schilddrüsenwerte.

Therapiemöglichkeiten

Moderne Therapien gegen die Weißfleckenkrankheit setzen an zwei Punkten an: Sie zielen zum einen darauf ab, das Fortschreiten der Krankheit einzudämmen – also bestehende Flecken am Größerwerden zu hindern. Zum anderen können sie die ausgeblichenen Stellen neu pigmentieren. Auch wenn es nur selten gelingt, den entfärbten Hautregionen vollständig ihre frühere Farbe zurückzugeben, bringen die Behandlungen oft Verbesserungen, die Betroffenen wieder ein deutlich besseres Lebensgefühl verleihen.

Laser: UV-Licht fördert Farbstoffbildung
Eine Möglichkeit, um das Erscheinungsbild von Vitiligo zu verbessern, ist die Behandlung mit dem Laser. Dieser schickt energiereiches UV-Licht auf die betroffenen Stellen, mit dem Ziel, die Neubildung von Hautfarbstoff anzuregen – ähnlich wie ein Aufenthalt in der Sonne es tut. Während beim Sonnenbaden aber gerade an den entfärbten Körperstellen die Sonnenbrand-Gefahr besonders groß ist, ist das Laserlicht schonender zur Haut: Es arbeitet ausschließlich mit einer Wellenlänge von 308 Nanometern, die für die Melaninbildung am wirksamsten ist. Andere Wellenlängen belasten die Haut somit nicht.

Zudem wirkt der Laser nur in den betroffenen Hautarealen intensiv, die umliegende Haut wird geschont. Die Behandlung mit dem Laser ist vollkommen schmerzfrei. Nach dem Lasern kann es jedoch zu vorübergehenden Rötungen und Schwellungen kommen. 24 Stunden lang sollten Patienten sich daher nicht der Sonne aussetzen und kein Solarium besuchen. Bis zum bestmöglichen Ergebnis sind meist mehrere Sitzungen in Abständen von drei bis sieben Tagen über mindestens drei Monate nötig.

Wie gut es funktioniert, der Haut ihren Farbstoff zurückzugeben, hängt dabei von mehreren Faktoren ab: Die Erfolge sind meist am deutlichsten sichtbar, wenn die Patienten jung und die Krankheitsherde klein, frisch und gerade aktiv sind. Zudem sprechen Menschen mit dunkler Haut, die generell im Sonnenlicht schnell bräunt, in der Regel besser auf die Repigmentierung an als hellhäutige Menschen. Und auch die Körperstelle spielt eine Rolle: Gesicht, Hals und Körpermitte gewinnen deutlich leichter ihre Farbe zurück als Hände und Füße. Im Gesicht sind zum Beispiel Verbesserungen von 70 bis 80 Prozent erreichbar.

Kortison-Salben hemmen Pigmentzell-Sterben
Häufig ergänzen kortisonhaltige Salben die Laser-Therapie. Denn während das UV-Licht die Haut dunkeln lässt, bremst Kortison die entzündlichen Reaktionen, die die Pigmentzellen absterben lassen. Da die Haut unter einer mehrmonatigen Kortison-Therapie aber dünn und verletzlich werden kann, kommen stattdessen auch andere Salben zum Einsatz, deren Wirkstoffe die Autoimmunreaktion einschränken. Ist die Weißfleckenkrankheit noch nicht weit fortgeschritten, behandeln Hautärzte sie oft auch nur Cremes, ohne gleichzeitige Lasertherapie.

Transplantationen und „Haut zum Sprühen“
Im Fall, dass sich das Hautbild über einen gewissen Zeitraum nicht mehr verändert hat, ist auch eine Transplantation eine Option. Dabei verpflanzen Dermatologen entweder ganze, aus anderen Körperstellen entnommene Hautpartien, auf die weißen Areale, oder auch nur isolierte Pigmentzellen. Das letztere Verfahren wird auch „Haut zum Sprühen“ genannt. Ärzte entnehmen dabei Melanozyten aus gesunden Hautbereichen und sprühen sie von außen auf die weißen Flecken, damit sie dort anwachsen und Farbstoff bilden.

Bei all diesen Behandlungsverfahren müssen Patienten einiges an Geduld mitbringen und sollten keine Wunder erwarten. Ein sichtbar gleichmäßigeres Hautbild lässt sich aber durchaus oft erreichen. Gern beraten wir Sie im Hautarztzentrum und finden gemeinsam mit Ihnen die für Sie geeignetste Therapie.

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