Hyperhidrose – Hilfe gegen übermäßiges Schwitzen

An besonders heißen, schwülen Sommertagen vor Schweiß nur so triefen – das Gefühl kennt wohl jeder. Genauso wie ein durchnässtes T-Shirt nach dem Sport oder Schweißperlen auf der Stirn beim Schleppen von Umzugskartons. Bei manchen Menschen laufen die Schweißdrüsen aber ohne erkenntlichen Grund ständig auf Hochtouren. Ein permanent feuchter Händedruck, Schweißflecken auf der Kleidung und die ständige Angst, etwa bei Geschäftsterminen plötzlich in Schweiß gebadet zu sein und Körpergeruch zu entwickeln, können psychisch sehr belasten.

Mediziner nennen das unkontrollierte, übermäßig starke Schwitzen Hyperhidrose. Für Betroffene lohnt sich ein Besuch beim Hautarzt. Denn mit modernen Behandlungsmethoden lässt sich das Problem meist gut in den Griff bekommen.

@Hautarztzentrum Kiel

Ursachen von Hyperhidrose

Schwitzen ist an sich ein lebenswichtiger Mechanismus des Körpers. Es schützt uns davor, zu überhitzen. Bei hohen Außentemperaturen oder auch körperlicher Anstrengung sondern Millionen von Schweißdrüsen Flüssigkeit ab, damit diese auf der Haut verdunstet und so für Abkühlung sorgt.

Dafür, dass die körpereigene Klimaanlage dauerhaft über das Ziel hinaus schießt, kann es viele Gründe geben. Generell unterscheiden Ärzte zwischen zwei Formen der Hyperhidrose:

Primäre Hyperhidrose
Die meisten Betroffenen leiden unter der so genannten primären Hyperhidrose. Diese ist genetisch bedingt. Bestimmte Nerven sind überaktiv und lassen die Schweißdrüsen unabhängig von Wärme und Kälte vermehrt Schweiß produzieren. Oft ist das auf einzelne Körperstellen begrenzt: Betroffene schwitzen zum Beispiel nur an den Handflächen, an den Fußsohlen, in den Achselhöhlen oder an Brust, Rücken oder Kopf übermäßig. Wodurch genau die Nerven außer Kontrolle geraten, konnte die Forschung bislang noch nicht klären.

Sekundäre Hyperhidrose
Hier ist das starke Schwitzen die Folge einer anderen Erkrankung. Das können zum Beispiel Hormonstörungen sein – daher schwitzen auch Frauen in den Wechseljahren oft besonders intensiv – neurologische Krankheiten oder Stoffwechselstörungen. Auch starkes Übergewicht oder bestimmte Medikamente wie Kortison können die Schweißdrüsen übermäßig stimulieren.

Folgen einer Hyperhidrose

Wer auch im ruhigen Zustand vermehrt von Schweißausbrüchen geplagt ist, fühlt sich dadurch in der Öffentlichkeit oft stark gehemmt. Die ständige Angst, negativ aufzufallen, lässt Be-troffene im Umgang mit anderen unsicher werden. Sie fühlen sich stigmatisiert und erleben mitunter sogar, wie Gesprächspartner sichtbar auf Abstand gehen. Und dann kann ein Teufelskreis beginnen: Die psychische Angespanntheit schlägt sich auf das vegetative Nervensystem nieder, das wiederum kurbelt die Schweißproduktion zusätzlich an.

Neben den seelischen Aspekten sind aber auch die physischen Folgen der Hyperhidrose nicht außer Acht zu lassen. Ständig schweißnass zu sein, beeinträchtigt zum einen das körperliche Wohlbefinden stark. Zudem erhöht es die Gefahr von Hautinfektionen mit Hefepilzen oder Fußpilz. Denn Pilzsporen finden auf feuchter Haut ein ideales Milieu vor, um sich einzunisten und sich zu vermehren.

Ärztliche Diagnose

Wer vermutet, von Hyperhidrose betroffen zu sein, kann seine Schweißproduktion in unserer Hautarztpraxis auf einfache Weise überprüfen lassen. Das Verfahren nennt sich Gravimetrische Schweißmessung. Mit einem saugfähigen Filterpapier ermitteln Dermatologen dabei, wieviel Schweiß der Körper in einer bestimmten Zeit absondert. Beträgt der Wert 30 Milligramm oder mehr innerhalb von fünf Minuten, weist das auf Hyperhidrose hin.

Therapiemöglichkeiten

Auf welche Art Dermatologen Abhilfe gegen das übermäßige Schwitzen schaffen, richtet sich zunächst nach der Form der Hyperhidrose.

Bei der sekundären Form kann es bereits ausreichen, die Krankheit zu behandeln, die dem Schwitzen zugrunde liegt, oder zum Beispiel ein Medikament zu wechseln.

Antiperspirantien wirken über Nacht
Bei der primären Form der Hyperhidrose setzen Hautärzte meist zuerst so genannte Antiperspirantien ein. Diese wirken von außen ähnlich wie ein Deodorant. Sie werden abends auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen – anfangs täglich, später nach Bedarf. Über Nacht entfalten sie ihre Wirkung: Das in ihnen enthaltene Aluminiumchlorid unterbindet, dass die Schweißdrüsen ihr Sekret absondern können. Einer Studie der Universität Hamburg zufolge lassen sich unter den Achseln besonders gute Ergebnisse mit Antiperspirantien erzielen: Die Erfolgsrate liegt hier bei über 95 Prozent.

Iontophorese: Gleichstrom beruhigt überaktive Nerven
Patienten, die auf eine Antiperspirantien-Therapie nicht genügend anspringen, kann auch eine so genannte Iontophorese helfen. Diese Behandlungsmethode setzt auf elektrischen Strom, um die überaktiven Nerven zur Ruhe zu bringen. Das Verfahren eignet sich besonders, wenn Hände und Füße betroffen sind. Patienten tauchen diese dabei etwa eine Viertelstunde lang in ein Wasserbad, durch das ein schwacher Gleichstrom fließt. Dieser blockiert vermutlich den Transport von Ionen in den Schweißdrüsen. Als so genannte Stanger-Bäder ist die Methode auch am ganzen Körper einsetzbar. Meist sind zehn bis fünfzehn Behandlungen im Abstand von wenigen Tagen notwendig. Das Gleichstrom-Bad ist nicht schmerzhaft. Es kann nur das Gefühl eines leichten Kribbelns oder Muskelziehens verursachen.

Botulinumtoxin stoppt Signalübertragung
Besonders gute Erfolge kann heute auch die Behandlung mit Botulinumtoxin bringen. Hautärzte injizieren dabei das natürliche Bakterieneiweiß mit einer feinen Nadel unter die obere Hautschicht direkt in die Schweißdrüsen. Dort blockiert es die Nervenimpulse, die die Drüsen stimulieren. Diese stellen daraufhin ihre Schweißproduktion ein oder sondern nur noch sehr geringe Mengen Schweiß ab. Abgesehen von den feinen Einstichen wird die Haut bei dem Eingriff nicht verletzt. In seltenen Fällen kann es zu Reizungen oder leichten Schwellungen kommen, die allerdings meist schnell wieder von allein zurückgehen. Langfristige Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt. Auch eine örtliche Betäubung ist normalerweise nicht erforderlich, kann aber dann sinnvoll sein, wenn die besonders empfindlichen Handflächen oder Fußsohlen behandelt werden.

Abhängig von der Dosis und der betroffenen Körperregion setzt die Wirkung des Botulinumtoxins drei bis sieben Tage nach der Behandlung ein und hält bis zu zwölf Monate an. Produzieren die Schweißdrüsen dann wieder mehr Schweiß als gewollt, weil sich die Signalübertragung der Nerven regeneriert hat, ist eine erneute Behandlung möglich.

Letzter Ausweg: Operation
In der Regel lässt sich die Schweißproduktion mit Antiperspirantien, der Iontophorese und Botulinumtoxin-Behandlungen in einem zufriedenstellenden Maß eindämmen. Ist das nicht der Fall, können Dermatologen auch zu operativen Verfahren greifen: Im Achselbereich ist es möglich, die überaktiven Schweißdrüsen chirurgisch auszuschaben oder abzusaugen. Sind die Hände betroffen, können Ärzte in der so genannten Sympathektomie die Nervenknoten durchtrennen, über die die Schweißdrüsen angesteuert werden.

Ob Aluminiumchlorid, Wasserbad, Botulinumtoxin oder Chirurgie – moderne Therapien können Patienten mit übermäßiger Schweißbildung mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem besseren Lebensgefühl und neuer Selbstsicherheit verhelfen. Wir beraten Sie in unserer Praxis gern, denn mit einem ständigen schweißnassen Gefühl muss sich heute niemand mehr abfinden.

Botulinumtoxin-Behandlung bei Ärzte-Workshops: Werden Sie Proband!

Wenn Sie Interesse an einer Behandlung mit Botulinumtoxin haben, können Sie sich auch als Proband bei einem der Ärzte-Workshops der Kiel Medical Academy anmelden. Sie erhalten hier weitere Informationen zu den Behandlungen, dem Ablauf, Terminen und Preisen.

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