Hämorrhoiden hat jeder. Doch wenn sie Beschwerden machen, redet niemand gerne darüber. Doch keine falsche Scham – auch für Hämorrhoiden gilt, wer früh (be)handelt erspart sich unnötigen Juckschmerz.

Hämorrhoiden sind keine Erkrankung – „Hämorrhoiden besitzt jeder Mensch, und sie erfüllen eine wichtige Funktion“, betont Dr. Alex Rothhaar, Hautarzt und Enddarmspezialist in Berlin: Bei Hämorrhoiden handelt es sich um ringförmig am After angeordnete Gefäßpolster, die für den Feinverschluss des Darmausgangs zuständig sind. Die Blutgefäße schwellen an, um gemeinsam mit dem Schließmuskel den Stuhl zurückzuhalten, und schwellen ab, wenn der Stuhl passieren soll.

Zu einem Gesundheitsproblem werden Hämorrhoiden, wenn sie dauerhaft erweitert bleiben und aus dem Analkanal herausragen. „Manche Menschen haben eine erbliche Veranlagung zu einem solchen Hämorrhoidenleiden, sie neigen oft auch zu Krampfadern an den Beinen“, erklärt Dr. Rothhaar.

Harter Stuhl und vermehrtes Pressen bei der Darmentleerung infolge einer ballaststoffarmen Ernährung begünstigen das Auftreten eines Hämorrhoidenleidens. Dasselbe gilt für Bewegungsmangel und schlechte Durchblutung, beispielsweise bei langem Sitzen auf kaltem Untergrund. Auch wenn der Druck, der ohnehin durch den aufrechten Gang des Menschen auf dem Beckenboden lastet, beispielsweise durch eine Schwangerschaft oder Übergewicht noch erhöht wird, kann die Funktionsfähigkeit der Hämorrhoiden überfordert sein.

Ein Hämorrhoidenleiden macht sich durch Jucken, ein dumpfes Druckgefühl, manchmal Schmerzen beim Sitzen oder leichte Blutungen bemerkbar. Vergrößerte Hämorrhoiden können ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen, erklärt Dr. Rothhaar: Winde gehen ungewollt ab, Flüssigkeit tritt aus dem Darm aus, es kann zu Stuhlschmieren kommen. Durch das ausgetretene Sekret wird die Haut am After gereizt, juckt und brennt und kann sich entzünden. „Vielen Betroffenen sind Erkrankungen im Analbereich peinlich und sie scheuen sich, einen Arzt aufzusuchen“, weiß Dr. Rothhaar.

Oft werde zunächst versucht, Jucken, Brennen und Schmerzen mit allerlei Cremes und Salben selbst in den Griff zu bekommen – die vergrößerten Hämorrhoiden lassen sich so jedoch nicht beheben und führen immer wieder zu Beschwerden. Je länger ein Besuch beim Hautarzt und Enddarmspezialisten (Proktologen) hinausgezögert werde, desto aufwändiger könne die Behandlung werden, warnt Dr. Rothhaar. Der Experte empfiehlt, frühzeitig abklären zu lassen, ob die Beschwerden tatsächlich durch Hämorrhoiden und nicht etwa durch eine juckende Hefepilzerkrankung oder eine schmerzhafte Fissur verursacht werden.

Vergrößerte Hämorrhoiden können je nach Schweregrad mit verschiedenen Methoden behandelt werden, um die Funktionsfähigkeit wieder herzustellen: Ist der Befund noch nicht zu weit fortgeschritten, kann ambulant und relativ schmerzarm eine Verödung (Sklerosierung) vorgenommen werden. Bei diesem Verfahren wird ein Verödungsmittel eingespritzt, so dass ein Teil des Gewebes vernarbt und die Hämorrhoiden sich zurückbilden. Eine Alternative ist die Gummibandligatur. Dabei werden Teile der vergrößerten Hämorrhoiden abgebunden, bis sie schließlich abfallen.

Bei fortgeschrittenem Befund kann ein operativer Eingriff erforderlich werden, bei dem erweiterte Hämorrhoiden chirurgisch entfernt werden.

Eine wiederhergestellte Feinabdichtung ist Voraussetzung, damit auch Hautreizungen wieder abklingen können. Ist es durch ausgetretenes Darmsekret zu einem entzündlichen Analekzem gekommen, kann kurzzeitig eine kortisonhaltige Creme eingesetzt werden. Auch Spülungen oder Sitzbäder, beispielsweise mit Eichenrindeextrakt, können sich wohltuend auswirken.

„Der eigene Lebensstil kann viel dazu beitragen, einem (Wieder)auftreten von vergrößerten Hämorrhoiden vorzubeugen“, betont Dr. Rothhaar.

Quelle: BVDD

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