„Barbiedroge“ – das Mittel Melanotan trägt diesen Spitznamen zurecht. Glaubt man den Herstellern, macht es gleich drei Träume auf einmal wahr: nahtlose Bräune, purzelnde Kilos und obendrein eine gesteigerte Libido, inklusive Hilfe gegen Erektionsprobleme. Das Präparat besitzt weltweit keine Zulassung, wird aber illegal im Internet verkauft. Wer es sich unter die Haut spritzt, muss mit unkalkulierbaren Folgen rechnen, warnen Mediziner.

„Erbrechen, gesteigerter Blutdruck, so genannte Flushs – anfallsweise auftretende Hautrötungen im Gesicht und am Oberkörper, ein erhöhtes Bedürfnis zu gähnen oder sich zu strecken, überraschende Erektionen, das sind nur ein paar Beispiele für Nebenwirkungen, die das Mittel auslösen kann“, sagt Dr. Johannes Müller-Steinmann, Dermatologe und ärztlicher Direktor des Hautarztzentrums Kiel. Die unkalkulierbaren Effekte auf diverse Systeme des Körpers erklären sich dadurch, dass der Stoff wie ein Hormon wirkt: Melanotan ist eine synthetisch hergestellte Variante des körpereigenen Melanozyten-stimulierenden Hormons (MSH), des Hormons, das die Haut bräunt. Weiterhin bedenklich laut Müller-Steinmann: „Durch das Melanotan können sich auch Muttermale vergrößern und tief dunkel färben. Das macht Veränderungen, die auf Hautkrebs zurückgehen, schwerer erkennbar. Oder aber die Patienten bleiben der Hautkrebs-Vorsorge sogar ganz fern, weil sie annehmen, dass ihre Veränderungen ’nur‘ vom Melanotan herrühren.“

Klinische Studien zu Melanotan fehlen bisher. In den USA, Großbritannien und Skandinavien warnten Behörden schon vor Jahren vor dem Mittel. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat nun ebenso Bedenken geäußert.

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