Die Fallzahlen bei Hautkrebs steigen seit Jahrzehnten. Rund 100.000 organtransplantierte Patienten sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, einen Tumor der Haut zu entwickeln. Das gilt auch für viele andere Patienten mit einem nicht mehr voll leistungsfähigen Immunsystem, wie Menschen mit rheumatoider Arthritis, Lupus erythematodes oder mit einer HIV-bedingten Immunschwäche. Eine regelmäßige dermatologische Vorsorge sowie eine konsequent frühzeitige Behandlung selbst von Hautkrebsvor- und Frühformen sind für sie alle unerlässlich.

„Hautkrebs ist eine der häufigsten Todesursachen für Organtransplantierte, in Australien sogar die Todesursache Nummer Eins“, berichtet Prof. Uwe Reinhold vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen über das drastisch erhöhte Hautkrebsrisiko und den aggressiveren Krankheitsverlauf bei organtransplantierten Patienten. Deren Immunsystem wird medikamentös heruntergepegelt, um eine natürliche Abstoßungsreaktion des Körpers gegen das neue Gewebe zu verhindern – mit dem Nebeneffekt, dass diese Menschen besonders häufig einen Tumor der Haut entwickeln. „Menschen nach Organtransplantation haben ein bis zu 200-fach erhöhtes Risiko für Hellen Hautkrebs. Nach einer Zeitspanne von 15 Jahren haben etwa 80 Prozent der Immunsupprimierten zumindest Aktinische Keratosen. Diese gelten als Hautkrebs in der Entstehungsphase, auf deren Boden es zur Entstehung von Plattenepithelkarzinomen kommen kann. Nach 20 Jahren hat praktisch jeder zweite aus dieser Patientengruppe ein manifestes Karzinom der Haut“, so der auf Hautkrebs spezialisierte Dermatologe.

Das Plattenepithelkarzinom kommt Reinholds neuesten Erkenntnissen zufolge bei Immunsupprimierten 65 mal häufiger vor, das Basalzellkarzinom zehnmal häufiger. Auch das Maligne Melanom trete bei Organtransplantierten vermehrt auf.

Derzeit gehe man davon aus, dass Aktinische Keratosen in etwa zehn Prozent der Fälle zu einem sogenannten Plattenepithelkarzinom entarten, das sich unbehandelt in das umgehende Gewebe immer weiter hineinfrisst. „Das Risiko immunsuprimierter Patienten, an dieser besonders gefährlichen Form von Hautkrebs zu erkranken, ist etwa dreifach erhöht“, so der Hautkrebsexperte. „Anders als bei immunkompetenten Menschen verhält sich das Plattenepithelkarzinom bei immunsupprimierten Patienten auch ungleich aggressiver und neigt eher dazu Metastasen auszubilden. Dieser Umstand erfordert eine frühzeitige, intensive Behandlung des Tumors.“

Um spätere Komplikationen zu verhindern, empfiehlt Reinhold, schon vor der Transplantation erkannte Hautveränderungen umgehend zu behandeln und eine engmaschige Nachsorge einzuhalten. „Die Nachsorge erfolgt idealerweise in einer dermato-onkologischen Praxis, die in enger Kooperation mit den Kliniken steht“, empfiehlt Reinhold.

Über die ärztliche Versorgung hinaus sei aber auch die Eigenverantwortung der gegenwärtig etwa 100.000 Organtransplantierten in Deutschland gefordert: „Immunsupprimierte Patienten mit hellem Hautkrebs benötigen einen konsequenten, täglichen Lichtschutz, um sich vor einem neuen Auftreten von hellem Hautkrebs zu schützen – und das ein Leben lang“, so Reinhold.

Quelle: BVDD

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