Sommerzeit, Erntezeit. In vielen Hautarztpraxen häufen sich jetzt Fälle, in denen ein Bienen- oder Wespenstich eine heftige allergische Reaktion – manchmal bis hin zum lebensbedrohlichen allergischen Schock – ausgelöst hat.

Der Stich einer Wespe kann eine heftige allergische Reaktion hervorrufen

Bildnachweis: luise/pixelio.de

Jetzt im Sommer sind Wespen häufige Gäste am Frühstückstisch auf der Terrasse, an der Kuchentheke in der Bäckerei oder am Eisstand im Schwimmbad. Bienen werden von der Blütenpracht auf Wiesen und Feldern oder von den reifen Früchten im Garten angelockt. „Nicht in Panik geraten“, rät Prov.-Doz. Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin. Denn heftige Bewegungen, um die Insekten zu verjagen, können einen Stich provozieren, mit dem sich insbesondere Wespen, manchmal aber auch Bienen gegen Angreifer zur Wehr setzen. Im Gegensatz beispielsweise zu blutsaugenden Mücken haben es Wespen und Bienen nicht auf den Menschen abgesehen. Sie stechen nur zur Verteidigung, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht sehen.

Das beim Stich einer Wespe oder Biene abgegebene Gift führt zu einer schmerzhaften Rötung und Schwellung. Auch wenn die Lokalreaktion, die sich an der Stichstelle entwickelt, sehr ausgeprägt ist, sei dies meist kein Anlass zu Besorgnis, erklärt Dr. Kleine-Tebbe. In der Regel tritt innerhalb von einem Tag wieder eine deutliche Besserung ein.

Ein in der Haut steckender Stachel sollte mit dem Fingernagel oder einer Pinzette entfernt werden, – aber Achtung! – ohne den Giftsack am Stachelapparat zu quetschen. Um die Beschwerden zu lindern, empfehlen sich kühlende Umschläge. Bei starkem Juckreiz kann ein Antihistaminikum eingenommen werden. Bei ausgeprägter Lokalreaktion kann der Arzt ein kortisonhaltiges Präparat verordnen.

Bei Stichen im Mund sofort Arzt aufsuchen

Gefährlich kann allerdings ein Stich im Mund-Rachen-Raum werden, da die Atemwege zuschwelllen können, warnt der Hautarzt und rät, sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Auch wer in einen Bienen- oder Wespenschwarm geraten ist und mehrfach gestochen wurde, sollte einen Arzt aufsuchen. Für Menschen, die gegen Bienen- oder Wespengift allergisch sind, kann bereits ein einzelner Stich des jeweiligen Insekts an einer beliebigen Körperstelle lebensbedrohlich werden.

Allergische Reaktionen treten nicht bei einem erstmaligem Stich auf. Vielmehr geht eine Sensibilisierung voraus; zu einer allergischen Reaktionen kommt es dann bei erneutem Kontakt mit dem allergieauslösenden Insektengift. Ein erhöhtes Risiko für eine Insektengiftallergie tragen beispielsweise Imker sowie Landwirte oder Gärtner, aber auch Beschäftigte in Bäckereien.

Eine nicht auf die Region um die Einstichstelle begrenzte, allergische Allgemeinreaktion setzt wenige Minuten nach dem Stich ein, kann verschiedene Organe betreffen und unterschiedlich schwer verlaufen. Frühe Anzeichen können Hitzegefühl im Gesicht (Flush) und Jucken an Handflächen oder Fußsohlen sein. Meist kommt es zu Symptomen an der Haut wie Juckreiz und Quaddelbildung am ganzen Körper (Nesselsucht, Urtikaria). Insbesondere an den Augenlidern oder Lippen können sich groteske Schwellungen (Angioödeme) entwickeln. Krämpfe im Magen-Darm-Trakt, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie unwillkürlicher Urinabgang können hinzukommen.

In schweren Fällen kann die Allergie zu Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall bis hin zu Ohnmacht und zum Herz-Kreislauf-Stillstand führen. „Da die Symptome rasch in einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock übergehen können, ist schon bei den ersten Anzeichen einer allergischen Allgemeinreaktion sofort ein Notarzt zu rufen“, betont Dr. Kleine-Tebbe.

Es ist nicht absehbar, wie schwer die allergische Reaktion bei einem weiteren Stich verlaufen wird, warnt der Allergie-Experte. Daher sollten sich Betroffene nach einem allergischen Ereignis unbedingt beim Allergologen vorstellen. Nach gesicherter Diagnosestellung wird der Arzt über die wichtigsten Notfallmaßnahmen aufklären und ein Notfallset mit einem Antihistaminikum, einem Kortisonpräparat sowie einem Adrenalin-Autoinjektor verordnen, die bei einem neuerlichen Stich genau nach Anweisung anzuwenden sind. Diese Medikamente sollte der Patient künftig stets bei sich tragen.

Langfristig kann eine Insektengiftallergie mit der spezifischen Immuntherapie behandelt werden. Dabei wird dem Patienten regelmäßig eine kleine Menge des Insektengiftes, gegen das er allergisch ist, in ansteigender Dosierung gespritzt, damit sich das Immunsystem daran „gewöhnen“ kann. Diese Hyposensibilisierung wird über mindestens drei Jahre durchgeführt. Damit lässt sich eine Schutzwirkung von bis zu 90 Prozent erzielen, so Dr. Kleine-Tebbe.

Quelle: BVDD

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