Für die Behandlung der Psoriasis stehen hochwirksame Medikamente zur Verfügung. Doch nach wie vor sind viele Betroffene nicht ausreichend versorgt. Besondere Herausforderung ist, dass es sich um eine chronische Erkrankung handelt, die eine Langzeittherapie erfordert.

Bildnachweis: Mysi Ann/flickr.com

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Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland haben Schuppenflechte (Psoriasis). Sie leiden oft sehr unter den entzündlich geröteten, verdickten, schuppigen, manchmal juckenden und schmerzenden Hautablagerungen, den sogenannten Plaques, die der Erkrankung ihren Namen gaben.

Viele fühlen sich stigmatisiert: Denn die auffälligen Hautveränderungen können zu sozialer Ablehnung führen – sei es bei beruflichen Kundenkontakten, sei es in Partnerschaft und Sexualität. Schwere Krankheitsschübe und Rehaaufenthalte führen immer wieder zu längeren Ausfallzeiten.

Manchmal fürchtet die Umwelt fälschlicherweise eine Ansteckung. Doch bei der Psoriasis handelt es sich um eine nicht ansteckende, genetisch bedingte Erkrankung, der eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde liegt. Folge sind entzündliche Prozesse, die in der Haut zu einer beschleunigten Bildung von Hautzellen und den charakteristischen schuppigen Plaques führen.

Breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten

„Wesentlich für die Lebensqualität der Patienten ist eine weitgehend erscheinungsfreie Haut, das heißt, dass Hautveränderungen für den Patienten nicht mehr sichtbar oder zumindest kaum mehr wahrnehmbar sind“, betont Prof. Kristian Reich, Leiter des DERMATOLOGIKUM Hamburg.

Um dieses Ziel zu erreichen, steht in der Hautarztpraxis eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Außerdem ist im Therapiemanagement zu berücksichtigen, ob Gelenke mitbetroffen sind. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten entwickelt sich eine solche Psoriasis-Arthritis.

Bei leichteren Psoriasisformen mit einzelnen Plaques an der Haut wird mit äußerlich verabreichten Medikamenten behandelt. Auch eine UV-Therapie kann sinnvoll sein. Reichen diese Maßnahmen bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis nicht aus, wird eine systemische Behandlung mit Tabletten, Spritzen oder Infusionen erforderlich. In der Regel werden zunächst herkömmliche Medikamente wie Methotrexat oder Fumarsäureester gegeben.

Daneben stehen verschiedene hochwirksame Biologika zur Verfügung, die in die gestörten Immunvorgänge eingreifen. Bei bis zu 80 Prozent der Patienten kann mit modernen Biologika eine weitgehende Erscheinungsfreiheit erzielt werden, berichtet Prof. Reich.

Mit einer erfolgreichen Akutbehandlung der Psoriasis allein ist es jedoch nicht getan. Denn heilbar ist die Erkrankung trotz aller medizinischer Fortschritte nicht. Die chronische Erkrankung erfordert daher eine Langzeitbehandlung. „Nach zwei Jahren haben aber je nach Medikament 20 bis 40 Prozent der Patienten eine anfänglich erfolgreiche Therapie abgebrochen“, berichtet Prof. Reich. Die Gründe dafür sind vielfältig: So tritt nicht selten über die Zeit ein Wirkverlust ein, es kommt zu Nebenwirkungen oder dem Patienten wird die Behandlung zu aufwendig. Die Langzeitwirksamkeit und -verträglichkeit von Medikamenten noch besser zu erforschen, bleibt daher eine Herausforderung für die Wissenschaft. Eine lange Therapieverweildauer ist oft ein wichtiges Indiz für eine anhaltende Wirksamkeit, für die Sicherheit und Verträglichkeit einer Behandlung sowie für die Zufriedenheit und Lebensqualität der Patienten. Andererseits könne es bei unzureichendem Behandlungserfolg durchaus sinnvoll sein, auf ein anderes Präparat umzustellen, sagt Prof. Reich und empfiehlt Patienten, nicht zu resignieren, sondern sich vertrauensvoll mit dem behandelnden Hautarzt zu beraten.

Psoriasis betrifft den ganzen Körper

Ein Abbruch oder eine Unterbrechung der Behandlung kann sich nämlich nachteilig für den Patienten auswirken. So erhöht sich nach Absetzen einer Psoriasistherapie die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens der Schuppenflechte und das Risiko für Begleiterkrankungen bei besonders schweren Verläufen. Auch ist nicht sicher gewährleistet, dass eine erneute Behandlung mit dem gleichen Medikament nach einer Therapiepause weiterhin anspricht.

Eine langfristige Kontrolle des Entzündungsgeschehens ist jedoch umso wichtiger, als dies nicht nur die Haut betrifft, sondern den ganzen Körper. Die Psoriasis ist eine entzündliche Systemerkrankung, die beispielsweise auch mit einem erhöhten Risiko für eine Atherosklerose, eine entzündlich bedingte Plaquebildung an den Gefäßwänden, und damit für Schlaganfall und Herzinfarkt einhergeht.

Ebenfalls bei der Versorgung zu berücksichtigen sind kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte und hoher Blutdruck sowie Diabetes, die bei Patienten mit Psoriasis häufiger vorkommen.

Die Komorbidität sollte in der Versorgung der Patienten stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, fordern Dermatologen und plädieren im Übrigen deshalb auch für interdisziplinäre Behandlungskonzepte. Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf in Zusammenarbeit mit Ärzten anderer Fachrichtungen eingestellt werden. Durch einen gesunden Lebensstil mit angepasster Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Verzicht auf Nikotin sowie zu viel Alkohol können auch die Patienten selbst viel dazu beitragen, ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen, so Prof. Reich.

Quelle: BVDD

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