Schauspielerin Sandra Bullock hat bei einem Sturz als Kind eine Narbe über dem Auge davon getragen. Ein Autounfall hat ausgeprägte Narben im Gesicht von Fußball-Profi Franck Ribéry hinterlassen. Herzogin Kate, die Gattin des britischen Prinzen William, versteckt eine Narbe unter ihrer Frisur. Hautarzt Dr. Gerd Gauglitz, Leiter der Narbensprechstunde an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, weiß: Viele leiden unter diesen bleibenden Hautveränderungen – und nicht nur Prominente, die im öffentlichen Leben stehen.

Welche Patienten suchen Ihre Narbensprechstunde auf?
Ob jemand unter einer Narbe leidet, ist individuell sehr verschieden. Ausgeprägte Narben an gut sichtbaren Hautarealen wie im Gesicht und an den Armen oder Narben beispielsweise nach Schilddrüsenoperationen können kosmetisch sehr stören. Patienten mit Aknenarben an den Wangen oder am Rücken, darunter zunehmend auch Männer, suchen ebenfalls unseren Rat. In unserer Sprechstunde stellen sich aber vor allem Menschen vor, deren Narben Beschwerden verursachen, spannen, schmerzen und jucken oder die Beweglichkeit einschränken.

Wie entstehen Narben?
Oberflächliche Wunden heilen meist narbenlos ab. Bei Verletzungen dagegen, die bis in tiefe Hautschichten reichen, müssen körpereigene Reparaturmechanismen die Wunde mit Bindegewebsfasern auffüllen. Dieses Narbengewebe ist allerdings kein vollwertiger Ersatz für gesunde Haut, es ist weniger elastisch und belastbar. Werden beim Wundverschluss zu viele Bindegewebsfasern gebildet, entstehen über das Hautniveau erhabene, sogenannte hypertrophe Narben oder Keloide. Wird zu wenig Ersatzgewebe produziert, entstehen eingesunken wirkende, atrophe Narben.

Wovon hängt es ab, wie ausgeprägt die Narbenbildung verläuft?
Je besser eine Wunde ärztlich versorgt wird, desto unauffälliger verläuft in der Regel die Narbenbildung. So muss beispielsweise bei einem Wundverschluss nach einer Operation Zug oder Spannung auf die Wundränder vermieden werden. Bei glatten Rändern, die sorgfältig vernäht oder verklebt werden, entstehen geringere Narben als bei ausgedehnten Wundgebieten, beispielsweise durch Verbrennungen. Infiziert sich die Wunde, wird das Narbengewebe erneut verletzt oder werden beispielsweise Aknepustel immer wieder aufgekratzt, kommt es zu einer Störung des Heilungsprozesses und in der Folge zu einer verstärkten Narbenbildung. Manche Menschen neigen auch genetisch bedingt zu überschießenden Narbenwucherungen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten können Sie Ihren Narbenpatienten anbieten?
Bei ausgedehnten Verbrennungsnarben, Narbenkontrakturen oder Verwachsungen, die die Beweglichkeit einschränken, kann eine operative Korrektur erwogen werden. Ästhetisch störende atrophe Aknenarben lassen sich durch ein Peeling glätten. Auch fraktionierte Lasersysteme werden hierfür eingesetzt. Viel Aufmerksamkeit erhält in letzter Zeit das Microneedling, das die Kollagenproduktion stimuliert und so das Hautbild bei eingesunkenen Narben verbessert.

Das Einspritzen von Kortison in den Narbenbauch kann eine übermäßige Bindegewebsproduktion hemmen und wird daher gerne bei überschießenden Narben eingesetzt. Diese Behandlung wird häufig mit einer vorausgehenden Vereisung kombiniert. Auch eine Druckbehandlung kann Wulstnarben abflachen, die Druckverbände müssen allerdings über mehrere Monate viele Stunden täglich getragen werden. Die Rötung von Narben kann mit dem Farbstofflaser reduziert werden.

Wir empfehlen unseren Patienten, ausgeprägte Narben möglichst frühzeitig behandeln zu lassen, da dann zufriedenstellendere Ergebnisse zu erwarten sind. Aber am besten ist natürlich eine Vorbeugung durch die richtige Wundversorgung und –pflege.

Wie lässt sich auffälligen Narben vorbeugen?
Die beste Vorbeugung gegen unschöne Narben infolge von Akne oder Windpocken ist eine gute und rechtzeitige hautärztliche Behandlung der Grunderkrankung. Größere und tiefere Verletzungen sowie Verbrennungen sollte man ebenfalls frühzeitig ärztlich versorgen lassen.

Frische Narben müssen gut vor Sonnenlicht geschützt werden. Außerdem sollten sportliche Aktivitäten in den ersten Wochen nach einer Verletzung oder Operation reduziert werden, um Zug und Spannung auf die frische Narbe zu vermeiden. Wer zu Keloiden neigt, sollte beispielsweise auf das Stechen von Ohrringlöchern verzichten.

Um die Bildung hypertropher Narben zu verringern, empfehlen wir zudem eine vorbeugende Behandlung mit Silikonpräparaten oder einem Zwiebelextrakt-haltigen Narbengel. Mit der Behandlung sollten Patienten beginnen, sobald sich die Wunde geschlossen hat und der Schorf abgefallen ist beziehungsweise die Fäden gezogen sind. Das Narbengel sollte über mehrere Monate zweimal täglich sanft einmassiert werden.

Das Interview führte Angelika Bauer-Delto

Quelle: BVDD

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