Pflaster können heute mehr als eine vorübergehende Wunddeckung leisten. In vielen medizinischen Feldern stellen sie eine wichtige Möglichkeit dar, besonders elegant und wenig belastend für den Patienten Wirkstoffe über die Haut in den Körper einzubringen. Jetzt gibt es auch ein Pflaster zur Behandlung der sogenannten aktinischen Keratose (AK).

Die AK wird als eine Frühform von hellem Hautkrebs bewertet. Rund sechs von zehn Plattenepithelkarzinomen entstehen aus einer AK. Diese Form des hellen Hautkrebses streut in aller Regel nicht, zerstört jedoch das umliegende Gewebe, ja selbst Knorpel und Knochen durch ungehemmtes Wachstum und muss daher möglichst frühzeitig behandelt werden. Die Rate der jährlichen Neuerkrankungen lag zuletzt nach Angaben des Competenzzentrums für Versorgungsforschung in der Dermatologie allein in Deutschland bei rund 195.000 betroffenen Bundesbürgern jährlich.

Zur Beseitigung von AK setzen Dermatologen im Rahmen der Photodynamischen Therapie (PDT) den Wirkstoff 5-Aminolävulinsäure ein, vor allem dann, wenn größere Hautareale flächig durch UV-Licht geschädigt sind. „Hierbei werden die betroffenen Zellen mit Hilfe einer photosensibilisierenden Substanz aktiviert und anschließend mit Hilfe von Licht in Anwesenheit von Sauerstoff bis in eine Tiefe von zwei bis drei Millimetern zerstört“, beschreibt der Kieler Hautarzt Dr. Stephan Lischner das Verfahren. Das umliegende gesunde Gewebe bleibt bei dieser Behandlungsmethode erhalten.

Einer wünschenswerten weiteren Verbreitung und höheren Patientenakzeptanz standen bisher jedoch einige Faktoren entgegen: „Die umständlichen und zeitraubenden Vorbereitungshandlungen, die mit den bisher verfügbaren Verfahren einhergehen.“ Und: „Der nicht voll standardisierbare, für Fehler anfällige Prozessablauf herkömmlicher Verfahren, der entsprechende Erfahrung voraussetzt“, wie Prof. Rolf-Markus Szeimies, Chefarzt der Hautklinik Recklinghausen, erläutert.

Mit dem neuen Pflaster können bis zu sechs kleinflächige Areale von je 20 Quadratmillimetern gleichzeitig behandelt werden. Auch eine Vernetzung ist möglich. Für größere Flächen stehen Dermatologen neben der klassischen PDT auch andere Behandlungsmöglichkeiten mit photosensibilisierenden Substanzen und operative Verfahren wie die Kürrettage, die Krytotherapie oder der Einsatz eines Lasers zur Verfügung.

Der dermatologisch weitergebildete Facharzt wählt die zur Behandlung geeigneten Areale aus. Die Belichtung erfolgt nach einer Einwirkzeit von vier Stunden, die der Patient bei der Pflasteranwendung zur freien Verfügung hat.

Die umfangreichen zweijährigen klinischen Studien zu dem neuen PDT-Pflaster zeigen nach Szeimies Darstellung übereinstimmend „bereits nach einer einzigen Anwendung eine sehr hohe Effektivität“ hinsichtlich der kompletten Abheilung im Bereich der Kopfhaut bzw. des Gesichts gelegener leichter und mäßiggradig ausgeprägter Aktinischer Keratosen.

Nach der Behandlung ist über Monate ein konsequenter UV-Lichtschutz ein Muss. Das gilt im Übrigen auch für die Vorsorge. Immerhin jeder Zehnte entwickelt im Laufe seines Lebens eine AK. Immunsupprimierte Patienten wie Rheumakranke und Organtransplantierte tragen ein dreifach höheres Risiko, wie Szeimies betont.

Quelle: BVDD

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