Psoriasis ist mehr als schuppende Haut: Die chronische Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und führt nicht selten zu sozialen Phobien, Depressionen und Angststörungen. Um so wichtiger ist eine effektive Therapie.

Bildnachweis: Mysi Ann/flickr.com

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Sarah S. hat ihre Hauterkrankung zur Zeit „gut im Griff“. Doch: „Das war nicht immer so“, erzählt die 19-Jährige. Erstmals trat die Psoriasis bei ihr im Alter von 11 Jahren auf. Damals stand gerade ein Schulwechsel an. Der Schulstart wurde durch Klinikaufenthalte und eine Odyssee von Arzt zu Arzt erheblich erschwert.

„Besonders belastend war für mich der quälende Juckreiz“, erinnert sich Sarah S. Dieser ist bei Patienten mit Schuppenflechte unterschiedlich stark ausgeprägt. Sarah S. machte die juckende Haut in der Schule oft unkonzentriert und nachts konnte sie kaum schlafen.

Auch im Berufsleben kann die Hauterkrankung Nachteile und Diskriminierungen mit sich bringen. Vor allem wenn Gesicht und Hände betroffen sind, werden Kundenkontakte oft zum Spießrutenlauf, berichtet Priv.-Doz. Dr. Thomas Rosenbach, Hautarzt in Osnabrück.

Hautkranke Menschen werden nicht selten mit Vorbehalten oder gar Ablehnung konfrontiert, wenn zum Beispiel die Schuppenflechte an den Händen der Bäckereiverkäuferin fälschlicherweise für ansteckend gehalten wird oder schuppige Ablagerungen auf dem Businessanzug ungepflegt wirken. Schmerzhaft-entzündliche, rissige Haut an den Händen kann auch feinmotorische Tätigkeiten erschweren.

Bei Sarah S. sind – „zum Glück!“, wie sie sagt – Gesicht und Hände nicht betroffen. Doch um ablehnende Blicke und neugierige Fragen zu vermeiden, trug das junge Mädchen jahrelang auch bei hochsommerlichen Temperaturen nur langärmelige Kleidung und wagte es auch beim Sport kaum, Haut zu zeigen.

Nicht selten leiden Psoriasis-Patienten unter Ängsten und Depressionen

Viele Patienten mit Schuppenflechte fühlen sich durch ihre kranke Haut stigmatisiert und ziehen sich von sozialen Kontakten zurück, weiß Dr. Rosenbach. Familie und enge Freunde sind zwar meist verständnisvoll. Doch Betroffene schämen sich häufig für ihre kranke Haut, finden sich unattraktiv und leiden unter Ängsten, aufgrund der Hauterkrankung vom Partner verlassen zu werden. Das wirkt sich auch auf die Sexualität aus, vor allem wenn der Genitalbereich oder bei Frauen der Bereich unter den Brüsten betroffen ist. Jeder dritte Patient mit Psoriasis hat sexuelle Probleme, berichtet Dr. Rosenbach.

„Betroffene sollten mit ihrem Hautarzt offen darüber sprechen, wie sehr die Krankheit ihren Alltag und ihre Lebensqualität beeinträchtigt“, rät der Hautarzt. Stigmatisierung und sozialer Rückzug, Schamgefühl und mangelndes Selbstwertgefühl können die Entwicklung von psychischen Erkrankungen wie sozialen Phobien, Depressionen und Angststörungen begünstigen. Patienten mit Schuppenflechte leiden wesentlich häufiger unter depressiven Verstimmungen als Hautgesunde, jeder zehnte habe Suizidgedanken, berichtet Dr. Rosenbach.

Depressionen können einerseits eine Folge der psychischen Krankheitslast sein. Wie wissenschaftliche Forschungen zeigen, spielen jedoch nicht nur für die Entwicklung von Begleiterkrankungen wie Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Störungen, sondern auch bei der Entstehung von Depressionen chronisch-entzündliche Prozesse eine wesentliche Rolle. Die vermehrte Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe insbesondere bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis wirkt sich auch auf das zentrale Nervensystem aus und begünstigt depressive Symptome.

„Betroffene wollen sich psychische Beeinträchtigungen oft nicht eingestehen“, so die Erfahrungen von Sarah S. Man sollte sich jedoch nicht scheuen, wenn nötig psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Lange Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz erschweren allerdings die Versorgung.

Die psychische und psychosoziale Belastung wirkt sich wiederum ungünstig auf den Hautzustand aus. Um so wichtiger ist eine adäquate Therapie der Psoriasis. So mancher Patient, bei dem frühere Therapiemöglichkeiten keinen zufriedenstellenden Erfolg brachten, hat jedoch resigniert und schon seit Jahren keinen Hautarzt mehr aufgesucht – ohne zu wissen, dass sich
das Behandlungsspektrum deutlich erweitert hat. Grund genug, sich erneut an einen Dermatologen zu wenden. „Heute können wir fast jedem Psoriasis-Patienten helfen“, so Dr. Rosenbach.

Auch Sarah S. ermutigt andere Betroffene, sich einem erfahrenen Hautarzt anzuvertrauen. Sie selbst ist nach einem langen Leidensweg dank Therapie mit einem Biologikum nahezu erscheinungsfrei. Nach Jahren konnte sie im vergangenen Sommer sogar erstmals wieder schwimmen gehen – „ein tolles Erlebnis!“

Sarah S. ist sich jedoch bewusst, dass ihre Erkrankung chronisch ist und daher eine Langzeittherapie erfordert. „Die Hautkrankheit akzeptieren und damit selbstbewusst leben lernen“, ist ihre Philosophie.

Quelle: BVDD

Dr. med Johannes Müller-Steinmann, Hautarzt in Kiel

Psoriasis-Behandlung in Kiel: Dr. med. Johannes Müller-Steinmann, Ärztlicher Leiter des Hautarztzentrums Kiel, ist von der Deutschen Dermatologischen Akademie (DDA) im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit für den Bereich „Psoriasis“-Therapie zertifiziert.

» Sehen Sie hier das Zertifikat

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