Die mit Unterstützung des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen entwickelte Informations-Kampagne „Hautnah. Ins Leben“ wendet sich unmittelbar an betroffene Schuppenflechtekranke und bietet ihnen im Internet eine offene Plattform. Im nachfolgenden Interview mit dem Osnabrücker Hautarzt Dr. Thomas Rosenbach steht die die Bedeutung der Selbsthilfebewegung für Psoriatiker im Mittelpunkt. Rosenbach ist selbst Schuppenflechte-Betroffener und arbeitet im Vorstand und wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Psoriasisbundes mit.

Was bringt Patientenselbsthilfe aus Ihrer Sicht – als Hautarzt und Psoriatiker – für die Krankheitsbewältigung oder womöglich gar für den Krankheitsverlauf?

ROSENBACH: Organisierte Selbsthilfe ist äußerst wichtig. Der Patient soll den Umgang mit seiner eigenen Erkrankung erlernen. Durch Schulungsprogramme und Kompetenzseminare, wie sie z.B. der Deutsche Psoriasis Bund (DPB) anbietet, lernt der Patient die Entwicklung der Erkrankung zu verstehen, die Grundzüge der äußeren und innerlichen Behandlung zu erkennen und wird auf die Folgeerkrankungen hingewiesen. Man muss davon ausgehen, dass ein „ausgebildeter“ Patient die Therapieangebote besser nutzen kann und Fehler in der Anwendung der Therapien vermeidet. Da der Hautarzt leider heute durch den wirtschaftlichen Druck oft keine Zeit hat auf Details einzugehen, ist eine gut durchgeführte Selbsthilfe eine ideale Ergänzung zum Angebot des Dermatologen. Selbsthilfe vor Ort kann auch bei praktischen Fragen helfen, z.B. welcher Friseur nimmt sich meiner stark schuppenden Kopfhaut an und schickt mich nicht wegen einer „ekeligen“ Hautkrankheit weg.

Heute ist vielfach vom mündigen Patienten die Rede. Sind Schuppenflechtepatienten tatsächlich hinreichend informiert, um dem Arzt „auf Augenhöhe zu begegnen, oder nicht doch im starken Maße auch abhängig von ihrem Doktor?

Ausgebildete“ Patienten stehen mit ihrem Doktor auf Augenhöhe. Sie wissen um die Entstehung der Schuppenflechte und ihrer adäquaten Behandlung. Der Dermatologe muss nicht bei Adam und Eva anfangen, sondern kann ganz gezielt die speziellen Fragen der geschulten Patienten beantworten. Das erleichtert dem Arzt enorm die Arbeit. Es bereitet dem Hautarzt auch mehr Freude auf solche Patienten zu stoßen, die ihm ja quasi auf gleicher Höhe gegenüberstehen. Für den nichtgeschulten, normalen Patienten sieht die Situation anders aus. Der Arzt kann ihm in der Kürze der Zeit nicht viel vermitteln. Von den Krankenkassen geförderte Schulungsprogramme fehlen, sie zeigen kein Interesse an der Förderung der Selbsthilfe, obwohl es ihr gesetzlicher Auftrag ist. Man muss leider davon ausgehen, dass diese Patientengruppe für mehr ausgegebenes Geld aus Unwissenheit mit schlechterem Erfolg behandelt wird.

Im englischen Sprachraum gibt es Studien, die positive Ergebnisse bei einem „shared decision making“ darstellen. Arzt und Patient gemeinsam entscheiden über die Therapie. In Deutschland sind Mediziner bei gesetzlich Krankenversicherten s in der Wahl der Therapie durch das Arzneimittelbudget und Regressdrohungen eingeschränkt. Was halten Sie von „shared decission making“ unter diesen Bedingungen?

Die gemeinsame Therapieentscheidung ist enorm wichtig. Der Hautarzt sieht die Erkrankung oft anders als der Patient. Beide sollen sich einig sein, bis zu welchem Punkt die Schuppenflechte behandelt werden soll. Manchmal ist der Patient damit zufrieden, dass es nicht mehr schuppt. Sein Hautarzt denkt aber, dass sein Patient 0% Schuppenflechte haben möchte. Mehr Kommunikation tut not. Der Patient hat laut Sozialgesetzbuch einen Anspruch auf eine angemessene Behandlung. Wenn die Spielregeln eingehalten werden, kann ein Regress deshalb nicht entstehen.

Quelle: BVDD

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