Das winterliche Stimmungstief auf der Sonnenbank heben? Winterblasse Haut im Solarium vorbräunen? Einem Vitamin-D-Mangel mit künstlichem UV-Licht vorbeugen? Keinesfalls!, warnen Dermatologen. Denn der – oft nur vermeintliche – Nutzen würde mit vorzeitiger Hautalterung und erhöhtem Hautkrebsrisiko erkauft.

Bildnachweis: Manwalk/pixelio.de

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Gebräunte Haut gilt als attraktiv. Viele Menschen möchten sich daher ihre Urlaubsbräune erhalten und nutzen während des Winters regelmäßig die Sonnenbank. „Doch die Haut intensiver Solariumsnutzer sieht oft eher gegerbt als schön aus“, so Dr. Thomas Stavermann, Hautarzt in Berlin und Generalsekretär des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD). Denn das künstliche UV-Licht fördert – wie auch natürliches Sonnenlicht – eine vorzeitige Hautalterung: UV-A-Strahlung, mit denen die UV-Bestrahlungsgeräte zu kosmetischen Zwecken vorwiegend arbeiten, dringt tief in die Haut ein, Es bilden sich sogenannte „freie Radikale“ – und diese schädigen das Kollagen im Bindegewebe. Gleichzeitig verhindern sie die Erneuerung des Gewebes. Die Haut verliert an Elastizität, Falten bilden sich. Die Hoffnung, ein Vorbräunen winterblasser Haut im Solarium – beispielsweise vor einer Fernreise – schütze die Haut im Urlaub, ist ein Irrglaube: Bräunung ist eigentlich ein Schutzeffekt, der zeigt, dass die Haut bereits zu viel Sonne ausgesetzt wurde.

Das für die Hautbräunung verantwortliche Farbpigment Melanin wird unter UV-Bestrahlung in der Oberhaut gebildet, um das Erbgut von Hautzellen im Zellkern vor weiteren Schädigungen zu schützen. Dieser Schutzeffekt ist jedoch nur begrenzt: Nimmt die UV-Strahlung überhand, kommt es dennoch zu DNA-Schäden der Hautzellen. Sind die körpereigenen Reparaturmechanismen überfordert und können diese nicht mehr beheben, können sich die geschädigten Zellen unkontrolliert vermehren. Hautkrebs entsteht.

Solarium-Licht schützt die Haut nicht

Doch selbst der geringe Schutzeffekt durch die Hautbräunung wird im Solarium nicht erreicht. Denn für die Bildung des Hautfarbstoffs ist UV-B-Strahlung zuständig. UV-A-Strahlung im Solarium bewirkt lediglich ein Nachdunkeln des vorhandenen Hautfarbstoffs Melanin und lässt die Haut gebräunter aussehen, ohne dass es zu einem Schutzeffekt durch eine vermehrte Melaninbildung kommt.

Das Solarium kann auch keinem Vitamin-D-Mangel vorbeugen, wie viele Nutzer glauben. Für die Bildung von Vitamin D ist gleichfalls der UV-B-Anteil des Sonnenlichts zuständig. Und um den Vitamin D-Speicher aufzufüllen, reicht es aus, von April bis Oktober dreimal pro Woche Hände und Gesicht etwa eine Viertelstunde der Sonne auszusetzen, erklärt Dr. Stavermann. Bei einem dauerhaften Vitamin D-Mangel mit Krankheitswert sollten sich Betroffene hingegen ärztlich untersuchen und wenn nötig behandeln lassen, statt sich der künstlichen UV-Strahlung auszusetzen und so einen Hautkrebs heranzuzüchten.

Das Argument, künstliches UV-Licht auf der Sonnenbank helle die Stimmung auf, lässt Dr. Stavermann ebenfalls nicht gelten: Denn der vermeintlich positive Effekt auf das Wohlbefinden werde nicht nur durch eine vorzeitige Hautalterung, sondern auch durch ein erhöhtes Hautkrebsrisiko erkauft, warnt der Dermatologe: Naürliches Sonnenlicht wie auch künstliches Licht im Solarium sind wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung von Hautkrebs. Die UV-Belastung, der die Haut im Solarium schutzlos ausgesetzt wird, sei bis zu zehnmal stärker als die der Sonne, so der Berliner Hautexperte.

Heute weiß man, dass nicht nur UV-B, sondern auch UV-A wesentlich zur Entwicklung von Hautkrebs beiträgt.

Für Kinder und Jugendliche ist zuviel UV-Licht besonders gefährlich. Daher ist der Besuch im Sonnenstudio für Minderjährige gesetzlich verboten. Wer vor dem Alter von 35 Jahren beginnt, Solarien zu nutzen, verdoppelt das Risiko, an schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, zu erkranken. Und: Die Haut vergisst nichts! Jede Solarien-Nutzung ist eine zusätzliche Buchung auf dem UV-Licht-Konto, das sich im Laufe des Lebens füllt, und erhöht das Hautkrebsrisiko zusätzlich.

Menschen mit hellem Hauttyp oder mehr als 40 Pigmentflecken sind besonders gefährdet. Wer bereits Lichtschäden an der Haut wie aktinische Keratosen aufweist oder schon einmal an Hautkrebs erkrankt war, sollte Solariumsbesuche gänzlich meiden.

Summa summarum: in der Nutzen-Risikoabwägung fällt das Solarium bei Dr. Stavermann durch – im Gegensatz zu den medizinisch indizierten Fällen von entzündlichen Hauterkrankungen, bei denen die Phototherapie in medizinisch eng definierten Fällen im Vergleich zu noch belastenderen Therapien das geringere Übel darstellen kann. Eine „Selbstbehandlung“ von Hauterkrankungen mit für kosmetische Anwendungen konzipieren UV-Strahlungsquellen sollte auch in solchen Fällen unterbleiben. „Die Phototherapie gehört vielmehr in die Hand eines erfahrenen Dermatologen, der diese nach sorgfältiger Nutzen-Risiken-Abwägung unter kontrollierten Bedingungen einsetzen wird,“ so Dr. Stavermann.

Quelle: BVDD

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