Der Sommer ist da, und die Sonne ist wieder kräftiger. Genießen dürfen wir sie schon – doch nie dabei den Schutz der Haut vergessen! Dr. Johannes Müller-Steinmann, ärztlicher Leiter des Hautarztzentrums Kiel, erklärt im Interview, worauf beim Sonnenschutz zu achten ist.

Sonnenschutz ist für jeden Hauttyp wichtig.

Bildnachweis: Jörg Brinckheger/pixelio.de

Welche verschiedenen Hauttypen gibt es?

Insgesamt unterscheiden wir sechs verschiedene Hauttypen. Diese Einteilung ist auf den amerikanischen Hautarzt Thomas Fitzpatrick zurückzuführen. Die Hauttypen I bis IV bezeichnet man als europäische Typen, da sie hier gehäuft vorkommen. Hauttyp V ist typisch für Menschen aus der nordafrikanischen Region, Arabien und für dunkle Asiaten. In den Regionen Zentralafrikas und Australiens findet sich vermehrt der Hauttyp VI. Aber ganz egal, welchen Hauttyp ein Mensch hat, Sonnenschutz ist für jeden wichtig. Auch wenn die Hauttypen V und VI nicht so gefährdet sind, können auch sie sich verbrennen und von der Hitze sogar Brandbläschen auf der Haut bekommen.

Wie kann ich mich und meine Kinder im Sommer optimal vor der Sonne schützen?

Die hochempfindliche Kinderhaut benötigt einen besonders wirksamen Schutz vor der Sonne. Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend erhöhen das Risiko als Erwachsener an Hautkrebs zu erkranken. Ich lege den Eltern einen Schutz von Lichtschutzfaktor (LSF) 50 ans Herz und das nicht nur im Urlaub. Kinder halten sich häufiger an der frischen Luft auf und sollten deshalb schon morgens, vor der Schule oder dem Kindergarten, eingecremt werden, und zwar gründlich. Auch UV-resistente Kleidung und Kopfbedeckungen sind essentiell. Zum Sonnenschutz im Kindesalter hat die europäische Hautkrebsstiftung ein Zertifikat für Kindergärten entworfen, die sich aktiv um den Sonnenschutz für Kinder bemühen. Dieser SunPass ist eine gute Möglichkeit für Kitas zu zeigen, dass sie sich aktiv mit Sonnenschutz für die betreuten Kinder auseinandersetzen. Erwachsene sollten sich auch in unseren Breiten bereits ab März mit einem passenden LSF eincremen. Gerade Körperstellen, die häufig dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, benötigen besonderen Schutz. Also: bitte nicht sparen und täglich mindestens Gesicht, Hals und Arme eincremen.

Was bedeutet denn überhaupt der Lichtschutzfaktor?

Der Lichtschutzfaktor verlängert die Eigenschutzzeit der Haut und beugt einem Sonnenbrand vor. Allerdings verringert sich der Schutz schon, wenn man sich nicht ausreichend gründlich eincremt. Deshalb gilt bei Sonnencreme: Immer schön dick auftragen, nachcremen, Mittagssonne meiden und häufig den Schatten aufsuchen. Der Lichtschutzfaktor sollten Erwachsene individuell nach Hauttyp und der Intensität der Sonne auswählen. Aber auch in Deutschland bedeutet das: Produkte mit mindestens LSF 20 wählen – für Urlaube in südlicheren Ländern 50+.

Welche Folgen können zu viele Sonnenbäder haben?

Jeder Mensch hat ein individuelles Sonnenkonto, von dem er ein Leben lang abheben, aber auf das er niemals einzahlen kann. Das bedeutet: Häufige Sonnenbäder und daraus resultierende Sonnenbrände schädigen die Haut nachweislich und sind einfach zu vermeiden. Folgen daraus sind frühzeitige Hautalterung, Falten und irreparable Hautschäden. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sonne lässt sich das aber verhindern.

Warum ist Sonnenlicht trotzdem wichtig und gesund für uns?

Der menschliche Körper benötigt Sonnenlicht um das lebenswichtige Vitamin D zu bilden. Das Vitamin stärkt unsere Knochen. Allerdings muss sich dafür keiner in die pralle Sonne legen, auch im Schatten nimmt der Körper Vitamin D auf. Dabei reichen 20 Minuten am Tag schon aus, aber nie ohne zuverlässigen Sonnenschutz. Es gibt jedoch Menschen, die sich, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, nicht so häufig im Freien aufhalten können. Dann entsteht schnell ein Vitamin D-Mangel. Ärzte können den Vitamin-Spiegel im Blut bestimmen und bei Bedarf zusätzlich Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel verabreichen. Weiter hilft die Sonne, dass der Körper das Hormon Serotonin bildet. Dieses Glückhormon macht uns aktiver.

Kann man sich gesund bräunen und wenn ja, wie?

Viele wollen es immer noch nicht glauben, aber auch im Schatten bräunt die Haut. Deshalb rate ich: gerade im Sommer immer schön unter einem Schirm bleiben. Die Bräune ist die gleiche und hält sogar länger. Das gilt besonders für die Mittagssonne. Denn zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am intensivsten.

Vorbräunen im Solarium – was halten Sie davon?

Nichts. Das ist gefährlich und wirkungslos. Der Haut schadet die UV-Belastung der künstlichen Strahlung nur zusätzlich. Gewöhnen Sie Ihre Haut lieber langsam an die Sonne und verbringen Sie die ersten Urlaubstage an schattigen Plätzen.

Haben Sie noch einen abschließenden Tipp?

Die Sonne ist etwas schönes, solange man sie verantwortungsvoll genießt. Deshalb sollten auch Erwachsene immer vorbildlich mit der Sonne umgehen und ihren Kindern einen gesunden Umgang mit ihr beibringen.

Übersicht Hauttypen

  • Haut: sehr hell/ empfindlich
  • Haare: hell, rot, rotblond
  • Augen: hell
  • Eigenschutzzeit: weniger als 10 Minuten
  • Haut: sehr hell/ empfindlich
  • Haare: hell
  • Augen: hell
  • Eigenschutzzeit: weniger als 20 Minuten
  • Haut: mittelhell/ weniger empfindlich
  • Haare: braun
  • Augen: hell bis dunkel
  • Eigenschutzzeit: weniger als 30 Minuten
  • Haut: olivfarben, bräunlich
  • Haare: braun bis schwarz
  • Augen: dunkel
  • Eigenschutzzeit: mehr als 30 Minuten
  • Haut: dunkel/ unempfindlich
  • Haare: schwarz
  • Augen: dunkel
  • Eigenschutzzeit: etwa 60 Minuten
  • Haut: dunkel bis schwarz
  • Haare: schwarz
  • Augen: dunkel
  • Eigenschutzzeit: etwa 90 Minuten

 

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