Allergietests sind wichtig zur Ursachenforschung

Die Zahlen der Menschen, die unter einer Allergie leiden, nehmen von Jahr zu Jahr zu. Um den Auslösern aus dem Weg gehen zu können und die Beschwerden gezielt lindern zu können, müssen Patienten die Übeltäter kennen. Dabei helfen verschiedene Allergietests, mit denen Ärzte den allergischen Reaktionen auf den Grund gehen.

Bildnachweis: Hautarztzentrum Kiel

Menschen reagieren auf die unterschiedlichsten Dinge allergisch, auf die Pollen von Gräsern und Bäumen, die Haare von Katzen und Hunden, auf Hausstaub, Erdnüsse und Insektenstiche. Im Körper passiert dabei immer in etwa das Gleiche: Das Immunsystem leitet eine Abwehrreaktionen ein gegen einen harmlosen Stoff, den es in der Vergangenheit einmal mit einem Krankheitserreger verwechselt hat. Die Eiweißstoffe in Pollen, Tierhaaren und so weiter, die diese Allergien auslösen, nennen wir auch Allergene. Die Abwehrreaktion geht dann mit Entzündungen einher, die zum Beispiel Schleimhäute in Nase und Hals reizen, die Augen tränen und juckende Hautausschläge entstehen lassen – in seltenen Fällen sogar bis hin zum allergischen Schock.

Ob jemand dazu neigt, eine Allergie zu entwickeln, ist vor allem genetisch bedingt. Forscher gehen außerdem davon aus, dass Luftverschmutzungen, Abgase von Autos etwa, Allergien wahrscheinlicher machen. Ein weiterer Erklärungsansatz ist die sogenannte Hygiene-Hypothese. Sie besagt, dass Allergien bei uns deswegen immer häufiger vorkommen, weil die Menschen im Mutterleib und als Säuglinge zu wenig mit Keimen in Berührung kommen. So lerne der Körper nicht, mit fremden Substanzen umzugehen – und die Gefahr steige, dass das Immunsystem auf harmlose Substanzen überreagiert.

Betroffene können Allergene meiden – wenn sie sie kennen

Zu den wichtigsten Mitteln gegen eine Allergie gehört es, die Auslöser zu vermeiden und, wenn das nicht möglich ist, vorbeugend entzündungshemmende Medikamente einzunehmen. Das setzt natürlich voraus, dass Betroffene wissen, was genau ihre allergischen Reaktionen hervorruft.
Ob eine Allergie gegen bestimmte Substanzen vorliegt, können Ärzte mit einer Reihe von Verfahren testen:

Prick-Test:

Der Prickt-Test („prick“ ist Englisch für „Einstich“) ist vermutlich der gängigste Allergietest. Er kommt zum Einsatz, um Allergien des sogenannten Soforttyps zu untersuchen, bei denen die allergische Reaktion unmittelbar nach dem Aufeinandertreffen mit dem Auslöser eintritt.

Bildnachweis: Hautarztzentrum Kiel

Ärzte ritzen beim Prick-Test flüssige Lösungen, die jeweils eine Art Allergen enthalten, mit einer Lanzette an unterschiedlichen Stellen in die Hautoberfläche ein. Vorher zeichnen sie ein Raster auf die Haut, sodass sie später mit einer Schablone nachvollziehen können, welcher Einstich zu den Katzenhaaren gehörte, welcher zum Wespengift, welcher zu den Birkenpollen und so weiter – je nachdem, was getestet werden soll.

Kommt es an bestimmten Stellen nach etwa 15 bis 20 Minuten zu Rötungen und Quaddeln, liegt eine allergische Reaktion vor. Die Stärke der Hautveränderungen lässt auch eine Aussage darüber zu, wir stark ausgeprägt die Allergie ist.

Intrakutantest und Scratch-Test:

Eine Variante des Prick-Tests ist der Intrakutantest. Dabei spritzen Ärzte die Allergene intrakutan, also in die oberen Schichten der Haut. Die Substanzen gelangen so tiefer ein als beim Prick-Test – wodurch sich auch schwächere allergische Reaktionen feststellen lassen.

Auch möglich: der Scratch-Test, bei dem die Allergene auf eine in die Haut eingeritzte Stelle gerieben werden. Das macht in einigen Fällen schwächere Allergien sichtbar und schafft Klarheit, wenn der Prick-Test nicht eindeutig ist. Er kann allerdings auch mit Hautreizungen einhergehen. Dieser Test eignet sich beispielsweise, um direkt bestimmte Obstsorten zu testen.

Epikutantest, auch Patch-/Pflastertest genannt:

Manchmal treten die Reaktionen auf Allergene erst Tage später auf, nachdem Betroffene mit ihnen in Kontakt gekommen sind. Dazu gehören Allergien gegen Konservierungsstoffe in Kosmetika, gegen Nickel in Schmuckstücken oder gegen Latex in Gummihandschuhen.

Bildnachweis: Hautarztzentrum Kiel

Für die Diagnose solcher Spättypallergien eignen sich Tests mit Pflastern. Ärzte geben das Allergen auf ein Pflaster, welches sie auf den Rücken ihrer Patienten kleben. Dort bleibt es 24 Stunden. Der Arzt prüft nun auf eine allergische Reaktion an der betreffenden Stelle, die sich in der Regel durch Schwellungen, Rötungen, Juckreiz und teilweise Bläschen äußert. Ärzte prüfen dann bis zu vier Tage lang, ob sich noch eine späte Reaktion als Hinweis auf eine Allergie zeigt.

Blutuntersuchungen:

Eine Allergie hinterlässt ihre Spuren manchmal auch in unserem Blut. Wer gegen einen bestimmten Stoff allergisch ist, hat oft auch eine erhöhte Zahl sogenannter IgE-Antikörper im Blut. Ärzte können die Zahl freier IgE-Antikörper ermitteln, indem sie eine Blutprobe nehmen und diese im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist allerdings nur ein Hinweis auf eine mögliche Allergie. Die erhöhten Antikörper-Werte können auch andere Ursachen haben.

Etwas mehr Aufschluss gibt die Suche nach spezifischen IgE-Antikörpern, die sich bestimmten Allergene zuordnen lassen. Auch deren Anzahl lässt allerdings in der Regel keine Aussagen darüber zu, wie schwer und mit welchen Symptomen Betroffene auf die Auslöser reagieren.

Provokationstests:

In manchen Fällen funktionieren die gängigen Allergietests nicht. Ein Grund dafür kann sein, dass die allergische Reaktion bei einem Betroffenen schlichtweg nicht auf der Haut auftritt und auch eine Blutuntersuchung keine eindeutigen Ergebnisse liefert. Das kommt zum Beispiel bei Lebensmittelallergien regelmäßig vor. Dann können Ärzte versuchen, die Allergie zu provozieren, sie also dort auszulösen, wo sich auch sonst die Beschwerden zeigen.

Ein solcher Provokationstest muss unbedingt unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Das ist beispielsweise bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie der Fall, da es dabei zu heftigen Reaktionen kommen kann, im schlimmsten, sehr seltenen Fall sogar zu einem potentiell lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.

Andere Allergene bringen Ärzte zum Beispiel auf die Schleimhäute in der Nase auf oder an die Bindehaut der Augen und achten dann auf Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen und tränende Augen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Patienten das Allergen als Aerosol einatmen, sodass im Falle einer Allergie die Schleimhaut der Bronchien in der Lunge gereizt wird.

Welchen Test brauche ich?

Welcher Test sinnvoll ist, auf welche Allergene getestet wird und welche Vorsichtsmaßnahmen Ärzte dabei treffen, hängt von den jeweiligen Beschwerden der Patienten ab. Deswegen ist es wichtig, zunächst ein Gespräch zu führen, in dem Betroffene ihrem Arzt ihre Symptome schildern und was sie als Auslöser vermuten. Der Arzt klärt Fragen wie: Kommt es zu Hautausschlag, zu Niesreiz oder zu Atemnot? Wann treten die Symptome auf –zu einer bestimmten Jahreszeit, an einem bestimmten Ort? Bessern sich die Beschwerden bei einem Ortwechsel oder im Verlauf des Tages von allein besser? Und wie stark sind die Reaktionen?

Allergietest beim Hautarzt in Kiel - InformationenWeitere Informationen zum Allergietest (PDF-Dokument)