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Photosensibilisierung – Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht

Unerklärlich heftiger Sonnenbrand nach dem Schwimmbadbesuch? Bizarre Rötungen an den Beinen nach einem ausgedehnten Spaziergang? Daran ist nicht immer ein unvernünftiger Umgang mit der Sonne schuld. Manchmal macht das eingenommene Antibiotikum oder der Kontakt mit bestimmten Wiesengräsern die Haut unerwartet sonnenempfindlich.

Wer Medikamente einnimmt, sollte in den Sommermonaten besonders vorsichtig sein: Zahlreiche Wirkstoffe können zu einer Photosensibilisierung führen, das heißt die Haut besonders lichtempfindlich machen, warnt Professor Dr. Dietrich Abeck.

Dazu zählen unter anderem bestimmte Antibiotika, insbesondere Tetrazykline – darauf sei beispielsweise bei der Behandlung einer Borreliose im Sommer unbedingt zu achten, betont der Münchner Hautarzt. Auch manche entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamente (sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika) sowie bestimmte Arzneimittel zur Behandlung von Rheuma, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, ebenso wie beispielsweise Phytotherapeutika, die Johanniskraut enthalten, können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Entsprechende Warnhinweise im Beipackzettel von Medikamenten sollte man unbedingt ernst nehmen, rät Abeck.

Ist die Haut photosensibilisiert, kann es schon bei geringfügiger UV-Einstrahlung zu sogenannten photoallergischen Reaktionen kommen. Die Haut rötet und entzündet sich und schwillt an, auch regelrechte Brandblasen können sich bilden, begleitet von brennenden Schmerzen. Anders als bei einem Sonnenbrand, der durch zuviel UVB ausgelöst wird, ist für photoallergische Reaktionen vor allem UVA verantwortlich.

Neben photoallergischen Reaktionen, denen immer eine Sensibilisierungsphase vorausgeht, sind auch „spontane“ phototoxische Reaktionen möglich. In Europa sind Auslöser beispielsweise Furokumarin-haltige Pflanzen wie Bärenklau oder Schafgarbe. Wenn die – insbesondere feuchte – Haut mit solchen Pflanzen in Berührung kommt, kann sich an der Kontaktstelle unter Sonneneinstrahlung eine sogenannte Wiesengräserdermatitis entwickeln.

Vorsicht ist ebenso mit Duftstoffen in Kosmetika sowie mit ätherischen Ölen wie Bergamottöl geboten. Neben entzündlichen Reaktionen kann es im weiteren Verlauf zu einer fleckig-braunen Pigmentverfärbung der Haut kommen, die manchmal über Jahre bestehen bleibt.

Der Dermatologe führt bei photoallergischen oder –toxischen Reaktionen zunächst eine anti-entzündliche Behandlung durch, die vielfach den Einsatz von Kortison-haltigen Präparaten – bei schweren Reaktionen auch in Tablettenform – verlangt. Sind die akuten Beschwerden abgeklungen, wird der Hautarzt bei Verdacht auf eine photoallergische Reaktion mit Hilfe verschiedener Tests die Auslöser ausfindig machen, die dann künftig strikt zu meiden sind. Sollte – etwa bei notwendigen Medikamenten – Vermeiden nicht möglich sein, bleibt nur ein Verzicht aufs Sonnenbad sowie ein konsequenter Lichtschutz im Alltag durch Textilien und hochwertige Sonnenschutzprodukte.

Geeignete Sonnencremes müssen neben UVB- auch UVA-Filter enthalten und dürfen selbstverständlich nicht selbst photoallergisch oder -toxisch wirken, betont Professor Abeck. So werden – wenn auch selten – Reaktionen auf den chemischen UV-Filter Oxybenzon (Benzophenon-3) gesehen, berichtet der Dermatologe. UVA dringt übrigens auch durch Fensterglas – deshalb, so rät Abeck, beispielsweise beim Autofahren an einen entsprechenden Sonnenschutz denken!

Quelle: BVDD

Von | 2018-05-21T12:05:25+00:00 4. August 2010|Tags: , , , |
Dr. Johannes Müller-Steinmann
Dr. med. Johannes Müller-Steinmann ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie und ärztlicher Leiter des Hautarztzentrums Kiel.

Fragen & Antworten:

  1. L. 5. Januar 2018 um 10:30 Uhr - Antworten

    Guten Tag,

    ungefähr von halben Jahr waren mir Antibiotika mit Tetrazykline Inhalt vorgeschrieben. Nach 3 Tagen habe ich heftige Allergische Reaktion gehabt – Brandblasen, Atemnot und Durchfall. Nach Einsatz von Kortison Infusionen war nach eine Woche wieder alles in Ordnung.
    Leider hab ich seit dem immer wieder Brandblasen. Ich pass auf was ich esse und trinke, trotzdem kommt es immer wieder vor. Nach Untersuchungen sind alle Werte in Ordnung.

    Wie lange könnte Tetrazykline in Körper Schaden verursachen?
    Grüße L.

    • Dr. Johannes Müller-Steinmann
      Dr. Johannes Müller-Steinmann 28. Januar 2018 um 16:08 Uhr - Antworten

      Guten Tag,
      Tetracycline verursachen eine Lichtempfindlichkeit der Haut. Die Lichtempfindlichkeit ist normalerweise aber nach einigen Tagen wieder vorbei. Langfristige Schäden im Körper werden normalerweise nicht verursacht.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr
      Dr.med. Johannes Müller-Steinmann
      ärztlicher Leiter – Hautarztzentrum Kiel
      Lasermedizin, ästhetische Medizin

  2. Anonymus 15. November 2011 um 7:31 Uhr - Antworten

    meiner Tochter sind Ceres Tropfen empfohlen worden zur Einnahme vor dem schlafen gehen. Bei Nebenwirkungen steht dass sie zu Photosensibilierung führen könnten, seit sie die tropfen einnimmt hat sie grosse mühe zum einschlafen könnte es wegen den tropfen sein? sie ist 11 Jahre alt.

    • Dr. Johannes Müller-Steinmann
      Dr. Johannes Müller-Steinmann 15. November 2011 um 10:15 Uhr - Antworten

      Guten Tag,
      es gibt eine große Anzahl verschiedener Tropfen der Firma Ceres. Daher kann ich Ihnen die Frage nicht beantworten. Am besten wenden Sie sich an den verschreibenden Arzt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr
      Dr. med. Johannes Müller Steinmann
      Facharzt für Dermatologie
      Ärztlicher Leiter des Hautarztzentrum Kiel

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